Die Vielfalt der religiösen Gemeinschaften

Warum gibt es so viele religiöse Gemeinschaften? Wer sind sie? Wie kann man sie einordnen? Was können religiöse Gemeinschaften tun, damit sie von andersdenkenden Menschen wahrgenommen werden? Fragen, die insbesondere bei schrecklichen Ereignissen mit religiös motivierten Hintergründen auftauchen. Immer wieder.

Die Vielfalt der religiösen Gemeinschaften unter der Lupe

Die Vielfalt der religiösen Gemeinschaften - Radiosendung Life Channel

Warum gibt es so viele verschiedene religiöse Gemeinschaften?

Wer gehört zu welcher Kirche?

Der Schlussbericht der National Congregations Study Switzerland (NCSS) im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms 58, hat im Jahr 2011 eine Zählung durchgeführt, wie viele religiöse Gemeinschaften es in der Schweiz gibt. Laut diesem Bericht gibt es deren 5734 (siehe Schlussbericht im PDF, Seite ab Seite 12). Bei den sogenannten anderen christlichen Gemeinschaften (nebst den grossen Landeskirchen und Verbänden) tummeln sich noch 399 kleinere Verbände.

Für Menschen, die sich nicht mit Kirche oder Glauben auseinandersetzen, sind diese oft zurückgezogen lebenden Gemeinschaften nicht einzuordnen.

Weil sich diese oft zu wenig in der Öffentlichkeit zeigen, sich nur innerhalb ihrer Gemeinschaft bewegen und sich vielem, was neu ist, verschliessen.

Mögliche Gründe für die fehlende Teilnahme an der Öffentlichkeit

Der schmale und der breite Weg: Wer zum christlichen Glauben findet («Bekehrung»), dem wird am Anfang seiner neuen Ausrichtung klar gemacht, dass es einen schmalen (christlich geprägten) und einen breiten (weltlichen) Weg gibt. Ein Bild, das im Zusammenhang mit diesem schmalen Weg oft verwendet wird, ist die dasjenige von John Bunyan (Der breite und der schmale Weg – siehe Pictureswithamessage.com). Schmal bedeutet, dass diese Welt, in der wir leben, sich gegen das Christentum wendet. Breit bedeutet, alle Reichtümer und Laster dieser Welt zu geniessen und am Schluss das Ziel (die Gemeinschaft mit Gott) zu verpassen. Die Gefahr, von seinem Glauben abzufallen, sei gross. Nur wer sich an die Gebote von Gott hält, wird in den Himmel kommen.

Die Gefahr, vom Glauben abzufallen: Mit dieser Haltung wird zum einen die Angst geschürt, dass es einem am Schluss nicht für den Himmel reicht und zum anderen, dass man sich vor dieser Welt in acht nehmen muss. Ebenfalls unter diesen Aspekt fällt die Forderung, ein Zeugnis für Gott zu sein und weitere Menschen für die Sache von Christus zu gewinnen.

Damit verbunden entsteht oft ein indirekter Druck im Sinne von «du musst, sonst …».

In den Bereich «vom Glauben abfallen» ordne ich persönlich auch die Themen Scheidung oder Wiederheirat ein. Betroffenen wird nahegelegt, um des «Zeugnisses gegen aussen Willen» zusammenzubleiben, andere werden ihrer Aufgaben enthoben und aus der christlichen Gemeinde ausgegrenzt, wenn sie einen neuen Partner heiraten möchten.

Die Offenbarung: Endzeitliche Bücher wie die Offenbarung werden ganz unterschiedlich, je nach Ausleger und dessen Prägung, interpretiert. In diesem Zusammenhang wird immer wieder der Begriff «Endzeit» erwähnt. Das wäre die Wiederkunft Christi, der Untergang dieser Welt, das Jüngste Gericht und schlussendlich der Beginn einer neuen Weltordnung, dem neuen Jerusalem. Es geht um viel. Es geht um alles …

Neue Denk- und Sichtweisen wären dringend (!) nötig.

Die Bibel, ein Buch mit sieben Siegeln

Sie ist nun mal in bestimmten Passagen schwer verständlich. Je nach eigener Prägung wird sie in vielen Fragen ganz unterschiedlich ausgelegt. Sie ist das Buch der Hoffnung, gibt Wegweisung und trägt in schwierigen Zeiten durch.

Die Frage ist, wie wird die Bibel ausgelegt und von wem?

Ursprünglich stammt sie aus einer ganz anderen Kultur als der unsrigen. Manchmal habe ich den Eindruck, dass diesem Aspekt zu wenig Rechnung getragen wird. Die Auslegungen können manchmal sehr unterschiedlich sein und weil alle Parteien überzeugt sind, dass nur sie die Wahrheit kennen, führt dies zu Auseinandersetzungen in theologischen Fragen. Gemeinden spalten sich in der Folge und daraus entstehen Gemeinden, die die «alleinige Wahrheit kennen».

Wahrheit im Sinn von eigener Überzeugung spaltet.

John Wesley, der Begründer der evangelisch methodistischen Kirche, hatte seinem Neffen einst geschrieben, als dieser zur Katholischen Kirche konvertierte:

«du kannst in dieser oder jener Kirche gerettet oder verdammt werden …».

Letztendlich liegt es an allen Mitgliedern, Kirche zu gestalten. Die allein seligmachende Kirche diesseits gibt es vermutlich nicht.

Es sind viele Wege, die zu Jesus Christus führen

Es sind viele Wege, die zu Jesus Christus führen

Es sind viele Wege, die zu Jesus Christus führen.

«Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid»

Diese bekannte Aussage von Jesus Christus stammt aus dem Neuen Testament, aus Johannes, Kapitel 13, Vers 35.

Es geht um das Vorleben. Um das Zusammenleben. Um das ganz Praktische. Was gesehen und von den Mitmenschen bewertet wird.

Das, was Christen wirklich fordert. Nicht die Verkündigung, sondern das, was wir vorleben! Zusammensein trotz unterschiedlichen Meinungen. Umgang mit dem Leben und all seinen Fragen und Herausforderungen.

Der Wiener Arzt und Begründer der Individualpsychologie, Alfred Adler, sagte: «Wenn du wissen willst, was du wirklich willst, musst du schauen, was du tust.» Unser Körper lügt nicht. Wir leben, was wir glauben. Ein hebräisches Sprichwort lautet: «Wie der Gärtner, so der Garten.»

Innere Überzeugung wird sichtbar. Nehmen wir am Leben teil oder verstecken wir uns?

Religiöse Gemeinschaften, Menschen – sichtbar werden, dabei sein

Christlicher Glauben vielfältig gelebt - anders denken, sehen und erleben

Religiöse Gemeinschaften, Menschen – sichtbar werden, dabei sein.

Sichtbar werden

Statt Rückzug sein Licht nicht unter einen Scheffel stellen. Sichtbar werden. Authentisch leben. Das bedingt eine stabile innere Einstellung.

Sich mit den Fragen dieser Welt auseinandersetzen. Die Denk- und Handelsweise anderer stehen lassen können. Am allgemeinen Gesellschaftsleben teilnehmen und nicht ausschliesslich kircheninterne Anlässe besuchen. Hingehen. Menschen begegnen, ohne sie als Evanglisationsobjekt anzusehen.

Gewinnbringend leben (siehe dazu auch den Artikel «Das Leben von Jesus Christus und seine Auswirkungen auf unser Leben.») Gleichwertigkeit leben. Den Dialog mit der Öffentlichkeit suchen.

Selbstkritisch sein muss keinen faulen Kompromiss bedeuten. Und ja: Veränderung, Bisheriges aufgeben, Neues wagen kann weh tun.

Weiterführende Webtipps

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